Humorvolles
Einsätze

Im Leben eines jeden Polizisten gibt es immer wieder Einsätze die man niemals vergißt. Man stellt sich später oft die Frage was aus dem einen oder anderen Menschen geworden ist.
Auf dieser Seite möchte ich Ihnen über besondere Einsätze berichten.


Der nachfolgende Einsatz war wirklich so wie er von mir beschrieben wurde. Es wurde nichts dazu erfunden oder gar verschwiegen.

Verdacht auf Meningitis (Hirnhautentzündung)

Es war im Sommer 1984/1985, das Datum kann nicht mehr so genau definiert werden.
Mit dem Funkstreifenwagen Wartburg 353 (Toni 391) der Verkehrspolizei Marzahn habe ich damals meinen Chef zur Beratung der Dienststellenleiter nach Marzahn in die Marchwitza-Straße gebracht.
Nachdem ich den damaligen VK-Leiter, Major der VP B.L., dort abgesetzt habe, bin ich alleine auf Streife gefahren. Als ich die Allee der Kosmonauten in Richtung Springpfuhlbrücke befahre, winkt mir in Höhe des damaligen Kino "Sojus" ein Mann mit einem Kleinkind auf dem Arm zu und bat mich anzuhalten. Ich hielt darauf sofort den Funkstreifenwagen an und fragt nach seinem Anliegen. Er sagte wörtlich zu mir : " Können Sie mich bitte zum Kinderkrankenhaus nach Lindenhof (Stadtbezirk Lichtenberg) fahren, mein Kind ist nicht mehr ansprechbar, es besteht Verdacht auf Gehirnhautentzündung!"
Meine Frage warum er keinen Rettungswagen gerufen hat, beantwortete er mit den Sätzen " Ich habe dort angerufen, aber man hat mir gesagt, dass ich die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen soll "
Sofort wurde die Einsatzleitstelle der Berliner Verkehrspolizei, Toni 25, über diesen Sachverhalt informiert.
Wieder war es der Oberleutnant der VP Hahn, einer der fähigsten Leit- und Koordinierungsoffiziere der Berliner Verkehrpolizei, der sofort T 391 folgenden Auftrag erteilte: " Toni 391 ! Nehmen Sie die Person mit Kind an Bord und fahren Sie mit Signal (Sondersignal) zum Kinderkrankenhaus Lindenhof! Ich werde Sie dort anmelden!" .
Gleichzeitig gab er folgenden Rundspruch an alle im Bereich befindlichen Funkmittel der Verkehrspolizei raus: " Achtung ! An alle im Bereich befindlichen Funkmittel ! Toni 391 fährt mit einem schwerkranken Kind von der Allee der Kosmonauten zum Kinderkrankenhaus nach Lindenhof.Mit Signal auf die Leninallee ! Besetzen Sie umgehend die Fahrstrecke zum Krankenhaus Lindehof und gewähren Sie Toni 391 die freie Durchfahrt! ".
Ich konnte damals gar nicht so schnell fahren und denken, so schnell waren wirklich alle Kreuzungspunkte besetzt und ich befuhr in Alleinfahrt die Leninallee in Richtung Krankenhaus Lindenhof und musste weder anhalten noch bremsen.
Am Krankenhause Lindenhof angekommen, standen Ärzte und Schwester mit einer Trage bereits vor der Tür. Das Kind wurde sofort in das Krankenhaus gebracht und der Vati des Kindes bedankte sich noch einmal ganz herzlich bei der Berliner Verkehrspolizei.
Als ich das Krankenhaus verlassen und wieder anfahren wollte, gab es ein lautes Knackgeräusch und die Antriebswelle der Vorderachse war gebrochen. Es erfolgte die Meldung an Toni 25 und Oberleutnant Hahn sagte ruhig und gelassen: " Toni 391, auch das werden wir veranlassen ! ich bedanke mich bei allen Funkmitteln für Ihren Einsatz!" E N D E

Vielleicht liest der Vati des damals kleines Kindes diesen Bericht und setzt sich mit uns in Verbindung. Vielleicht erfahren wir was aus dem Kind geworden ist.