Humorvolles
Aus der Arbeit der Verkehrspolizei der DDR

Aus der Arbeit der Verkehrspolizei der DDR

Ich wurde früher immer wieder danach gefragt, was wir als Verkehrspolizisten den ganzen Tag machen, wie unser Tagesablauf aussieht und, und, und ......
Ich möchte Ihnen einmal einen ganz gewöhnlichen Wochentag einer Verkehrspolizeidienststelle zu DDR-Zeiten in Berlin vorstellen.
Die Dienstellen der Verkehrspolizei waren grundsätzlich in der Zeit von 05.30 Uhr bis 21.30 Uhr durch operative Kräfte (Verkehrspolizisten auf der Straße) besetzt. Während die Frühschicht von 05.30 Uhr bis 13.30 Uhr ihren Dienst versah, wurde die Spätschicht in der Zeit von 13.30 Uhr bis 21.30 Uhr planmäßig verrichtet.
Eine Gruppe war in der Regel 7 Personen stark.
Am Sonnabend wurde der Dienst von 07.00 Uhr bis 15.00 Uhr und am Sonntag von 13.00 Uhr bis 21.00 Uhr verrichtet.

So verlief ein ganz normaler Tag bei der Verkehrspolizei:

05.30 Uhr :
Dienstbeginn und Einweisung:
- Auswertung Verkehrsunfallgeschehen und der polizeilichen Lage vom Vortag
- Einweisung in die aktuelle Fahndung
- Vergabe der Aufträge zur Verkehrsüberwachung/Verkehrsregelung

Der Gruppenführer war bereits schon eine halbe Stunde vor Dienstbeginn anwesend und fertigte die notwendigen Dienstunterlagen. Dazu zählte auch die ständige Neucodierung der Sprechtafel. Bestimmte Wörter wurden im Funkverkehr nur durch einen Zahlencode verschlüsselt übermittelt.
Die Gruppe der Verkehrspolizei war bereits zur Einweisung voll ausgerüstet und einsatzbereit.

05.45 Uhr:
Besetzen der Fahrzeuge, Anmeldung per Funk in der Einsatzleitstelle
und Abfahrt zum Einsatzort der Verkehrsüberwachung bzw.
Verkehrsregelung
In der Regel besaßen die kleinen Dienststellen der Verkehrspolizei in den Volkspolizeiinspektionen Berlins nachfolgenden Kfz-Bestand:

2 Funkstreifenwagen Wartburg 353 W




2 Funkkräder ETZ 250 F
1 ziviles Krad ETZ 250
1 Kleinkraftrad Schwalbe (blau)
gelegentlich dazu :
1 Wolga GAS 24 Fstw für Kontrollgruppeneinsätze
06.00 Uhr bis 08.00 Uhr
In dieser Zeit wurden, wenn keine Verkehrsregelungsaufgaben in Folge defekter Lichtzeichenanlagen anstanden, so genannte Gruppeneinsätze zur Bekämpfung der Hauptunfallursachen im Straßenverkehr
durchgeführt. Dazu zählten sehr oft Einsätze gegen Fußgänger, die beim Lichtzeichen ROT die Fahrbahn überquerten und somit sich und andere
Verkehrsteilnehmer im erheblichen Maße gefährdeten.
Die Zahl verunglückter Fußgänger war zu DDR-Zeit ziemlich hoch.
Nun kam es während des morgendlichen Berufsverkehrs natürlich oft vor, dass sich Verkehrsunfälle ereigneten.
Die Unfallaufnahme hat vor allen anderen Dingen höchste Priorität, so dass dann die Überwachungsmaßnahmen abgebrochen wurden.
Nach dieser Zeit wurde dann eingepackt und die nächste Pausenversorgung angefahren.
08.30 Uhr bis 09.00 Uhr
Frühstückspause

Die einzige Pause während der operativen Dienstdurchführung.
09.00 Uhr bis 12.00 Uhr
1. Durchführung weiterer Gruppeneinsätze zur Verkehrsüberwachung in
Form von:
- Geschwindigkeitskontrollen
- Lichtzeichenüberwachung an Ampelkreuzungen
- Allgemeine Verkehrskontrollen
- Alkoholkontrollen
2. Streifenfahrten und Überwachung des fließenden Straßenverkehrs mit
der Aufgabe:
- Ahndung von Ordnungswidrigkeiten
- Bekämpfung von Straftaten
3. Sonderaufgaben:
- Besetzung von wichtigen Verkehrsknotenpunkten bei Staatsfahrten
- Übernahme und Begleitung von Schwerlasttransporten
Bei Staatsfahrten wurden natürlich andere Maßstäbe gesetzt.
So kam es durchaus vor, dass die Verkehrspolizisten bis zu 12 Stunden auf eine Kreuzung zur Verkehrsregelung eingesetzt wurden. Lediglich kleine Pausen zur Regelung der persönlichen Bedürfnisse bzw. zur Esseneinnahme waren erlaubt. 12.00 Uhr bis 13.15 Uhr Diese Zeit wurde auf den Dienststellen hauptsächlich für Schreibarbeiten genutzt. So wurden Verkehrsunfälle, Ordnungswidrigkeitenanzeigen fein säuberlich auf der Schreibmaschine geschrieben. Computer gab es damals noch nicht und so kam es schon vor, dass der ein oder andere sich mehrmals auf der Schreibmaschine vertippt hatte und dann ein neues Blatt einspannen musste.
Die Fahrzeugführer haben die Fahrzeuge gereinigt und getankt. Ein Funkstreifenwagen (Fstw) musste zu den Dienstenden immer voll getankt abgestellt werden. Ein zusätzlicher 20 L Kanister musste ebenfalls voll im
Kofferraum sein.
Weiterhin wurden die Batterien der Rundumleuchtenstative, der Handfunkgeräte, sowie des Radargerätes zu den Dienstenden zum Laden angeschlossen.
13.15 Uhr bis 13.30 Uhr
Kurze Auswertung des Dienstes, Mitteilung organisatorischer Dinge
und Verabschiedung der Diensteinheit
13.30 Uhr
Dienstende und Übernahme der Spätschicht

Abschließend sei gesagt, dass es auch vorgekommen ist, dass die Funkwagen- bzw. Kradstreife von einem Verkehrsunfall zum anderen
gefahren ist.
An Funktechnik besaßen die Dienststellen die auf den
Funkstreifenwagen/Funkkrädern befindlichen Funkgeräte
der Typen RFT System U 600 und U 700.
Dazu kamen 6 Handfunkgeräte UFT 721 bzw. später UFT 771
Neben den operativen Einheiten gab es in der Verkehrspolizei, genau wie heute noch, einen administrativen Bereich. Dazu gehörte:
Leiter Verkehrspolizei
Offizier Öffentlichkeitsarbeit
Verkehrserzieher
Kfz- Sach - und Hilfssachverständiger
Verkehrstechniker (Verkehrsorganisation)
Führerscheinstelle
Kfz-Zulassungsstelle
Die Verkehrspolizei hat fast ausschließlich Aufgaben aus dem Bereich des
Straßenverkehrs erfüllt. Lediglich bei Feststellung von Straftaten bzw. Unterstützung von anderen Abteilungen (Schutzpolizei, ABV, Kripo) wurde
mitgewirkt.
VP-Berechtigung

(solch ein Berechtigung musste man besitzen,
wenn man ein Dienstkraftfahrzeug der
Deutschen Volkspolizei führen wollte) Neben der verkehrspolizeilichen Arbeit in den Volkspolizeiinspektionen 1 - 11
gab es zudem noch die Erste und Zweite VKB (Verkehrsbereitschaft), den Protokollzug Berlin-Mitte, die Verkehrsunfallbereitschaft und die Abteilung Verkehrspolizei im Präsidium der Volkspolizei Berlin, Keibelstraße.
Ich hoffe, dass ich Ihnen einen kleinen Einblick in die Arbeit der Verkehrspolizei
geben konnte.
Sollten Sie noch Fragen haben, dann können Sie diese gerne an mich stellen! Abgaskontrolle durch Kfz.-Hilfssachverständige
der Verkehrspolizei
ruppeneinsatz am Adlergestell in
Berlin Treptow

Ausfahrtskontrolle


Verkehrskontrolle mit Unterstützung aus der Luft

ot.Streife der 2.VKB (Diese Aufnahme auch auf dem Titelblatt der

Zeitschrift der DEUTSCHE STRAßENVERKEHR
zu finden) Der Kollege auf
dem Foto war mir sehr gut bekannt, war ein Pfundskerl!
Geschwindigkeitskontrolle unterwegs!

Es gab selten Anlagen mit Fototechnik,
aber es gab sie.

Geschwindigeitsmessanlage in einem

Pkw Lada 21011
Ansonsten wurden die Fahrzeugführer
sofort angehalten und zur Verantwortung gezogen.
In der Bevölkerung nicht so sehr beliebt, für die Volkspolizei aber eine große Hilfe, die Freiwilligen Helfer der Volkspolizei! Unterstützung bei Geschwindigkeitskontrollen.
Diese Helfer wurden an den Geschwindigkeitsmessanlagen
ausgebildet und kamen bei größeren Kontrollen oft zum Einsatz.
Sanktionen für zu schnelles Fahren in der DDR

gemäß § 12 (Abs.1,2,3) der StVO der DDR
Überschreitung in Km/h für DDR-Bürger

Quittung für DDR-Bürger (Fin 24)
11-20 km/h 10,00 M 1-2 Stempel
21-29 km/h 20,00 M 2-3 Stempel 30-40 km/h 4 Stempel und
Ordnungstrafverfahren bis 500,-M
(OSV = heute Bußgeldverfahren)

41 km/h und mehr - Führerscheinentzug vor Ort und Einleitung OSV. Der FS wird vor Ort vorläufig entzogen wobei der vorläufige Entzug eine Frist von 4 Wochen nicht
überschreiten durfte. Der Berechtigungsschein wurde ungültig gemacht und Heimfahrt zeitbefristet gestattet.
Fahren bei Rotlicht 4 Stempel, OSV
Entgegen der Einbahnstraße 10,00 M 1 Stempel Überschreitung in Km/h für Bürger der BRD
_______________________________________________________________________

Quittung für BRD-Bürger (Fin 24a)

10-15 km/h 30-50 DM
15-20 km/h 50-60 DM
20-25 km/h 75-100 DM
25-30 km/h 120-150 DM
30-40 km/h 150-200 DM
über 40 km/h 200-300 DM
§ 14 StVO Fußgängerüberweg 25-50 DM
§ 23 StVO Halten & Parken 25-50 DM
§ 3 /1 c Fahren bei gelb 40-60 DM
§ 3/ 1 d Fahren bei rot 75-220 DM
§ 7/2 Alkohol - nicht erheblich unter Alkohol 150-300 DM
- erheblich unter Alkohol 300-1000 DM


Fin 24, so die genaue Bezeichnung für eine Verwarnung in Mark der DDR.   Fin 24a, die Bezeichnung für Verwarnungen in DM.  Sanktionen folgten unmittelbar sofort nach Feststellung der Ordnungswidrigkeit. Von vielen Personen als Hilfssheriffs bezeichnet, für die Verkehrspolizei bzw. die Polizei allgemein aber eine hilfreiche Unterstützung,die Freiwilligen Helfer der Deutschen Volkspolizei. Hier waren alle Berufsgruppen, vom Arbeiter bis zum Arzt, vertreten. 
 
Bis zur Wende und drei Jahre danach immer noch im Einsatz. Die Geschwindigkeitsmessanlage "SRD77 / Mirado". Hier vor einem Lada 2103 montiert.  Anzeigegerät SRD 77